Dystonie  Fokale Dystonie(n)

Hier erfährst Du in aller Kürze Allgemeines zu dystonen Bewegungsstörungen

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Dystonie einer Körperpartie

Wenn eine Körperpartie von

Dystonie betroffen ist


Die häufigste Form der dystonen Bewegungsstörung ist die sogenannte fokale Dystonie. Bei dieser handelt es sich um muskuläre Fehlfunktionen einer bestimmte Körperpartie betreffend.


Gängige fokale Dystonien sind die Folgenden:


  • Zervikale Dystonie

Hals und Nacken betreffend


  • Blepharospasmus

Augen und Augenlider betreffend


  • Oromandibuläre Dystonie

 Mund, die Zunge und Schlund betreffend


  • Spasmodische Dysphonie

Kehlkopf und Stimmbänder betreffend


  • Gliederdystonie

Hände, Arme, Füße oder Beine betreffend

Genetische Veranlagung

gepaart mit "Stress"


Die Ursache zahlreicher fokaler Dystonien ist unbekannt. Gleichwohl vermuten Experten entweder eine neurologische Fehlfunktion in den Basalganglien (Bewegungszentren im Gehirn) oder ein fehlerhaftes Zusammenspiel bestimmter Hirnareale, zwischen unterschiedlichen, insbesondere die Feinmotorik bestimmter Körperpartien betreffenden Hirnarealen.


Mitunter diskutiert werden auch psychische Ursachen. Die neueren Forschungen schließen dies, als überwiegende Ursache, jedoch aus. So oder so: Vermutet wird grundsätzlich eine genetische Veranlagung, die bei "Stress",  in Form von besonderen körperlichen oder seelischen Belastungen, fokal bewegungsstörend Raum zu greifen scheint.


Mit Blick auf fokale Dystonien im Profisport (z.B. Läufer/innen-Dystonie, Golfer/innen-Yipp etc.) oder Berufsmusik (Drummers' Dystonia, Embouche-Dystonie, Fingerdystonien etc.) wird aktuell als Ursache ein zu intensives Trainieren bzw. Üben in Verbindung mit genetisch veranlagten hohen neuroplastischen Potenzialen im Gehirn diskutiert.

Charakteristika fokaler Dystonien


Was fokale Dystonien anbelangt, so ist eine vom Grunde her genetische Veranlagung wahrscheinlich, die in Folge bestimmter körperlicher Stressoren dystone Symptome auszulösen vermag. Zu diesen zählen u.a. psychoemotionale sowie physische Trauma sowie einseitige und fortgesetzte und wiederholende Dauerbeanspruchung, vor allem feinmotorischer Art. Letzteres etwa beim Üben eines bestimmten Instrumentes oder beim Üben bestimmter Bewegungsabläufe einer bestimmten Sportart etc.


Kennzeichnend für eine fokale Dystonie ist, dass das Schaltzentrum für Bewegung unseres Gehirns, also die Basalganglien, grundsätzlich unbeteiligt sind. Die Wurzel allen Übels liegt vielmehr in der einer Fehlfunktion im aufsteigenden bzw. extrapyramidalen System nebst Motorkortex, weshalb eine Tiefe Hirnstimulation, deren Elektroden in die Basalganglien eingebracht werden, bei fokalen Dystonien eher unwirksam ist.


Wie bei allen dystonen Bewegungsstörungen, so wird auch bei fokalen Dystonien zwischen jenen mit Tätigkeitsbezug – also sogenannte aktionsinduzierte Dystonien – und jenen, die in Ruhe auftreten, unterschieden. Hinzu kommen fixierte Dystonien.


Eine widernatürlich verspannte Hand (nebst Fingern)  etwa, die


  • bei der Tätigkeit des Führen eines Stiftes auftritt, wird als "Schreibkrampf" (#Graphospasmus) bezeichnet.


  • tätigkeitsunabhängig auftritt, gleichwohl noch beweglich und nach nach innen gestellte bzw. flektierte ist, vermag ein Symptom einer Hemi- oder Generalisierten Dystonie darzustellen.


  • fortwährend und unbeweglich gebeugt und/oder gefaustete Hand ist, etwa in Folge einer Dystonie als Symptom eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS), ist eine fixierte Dystonie.

Fokale aufgabenspezische Dystonie


Bei aufgabenspezifischen Dystonien handelt es sich um hyperkinetische Bewegungsstörungen, die stets zu Tage treten, wenn eine Person einer bestimmten Tätigkeit nachgeht, etwa dann, wenn sie schreibt, ein bestimmtes Instrument spielt oder einen bestimmten Bewegungsablauf für einen Sport ausübt.


So gibt es etwa den "Schreibkrampf" (#Graphospasmus), die "Ansatz-Dystonie"(#Embouche-Dystonie) bei Bläserinnen und Bläsern oder den "Golfer-Jipp" (#Golfer-Dystonie), jene unwillkürlich zuckende und störende Handbewegung, die beim Putten, also dem Einlochen eines Golfballs auftritt.


Bei aufgabenspezifischen Dystonien handelt es sich regelmäßig um eine multifaktorielle Bewegungsstörung, bei denen – so die aktuelle Hypothese zur Pathophysiologie – zu einer genetischen Veranlagung feinmotorische Triggerfaktoren mit Bezug zu einer bestimmten Aufgabe hinzutreten. Aufgrund der genetischen Veranlagung sind fokale aufgabenbezogene Dystonien grundsätzlich nicht heilbar. Sie können in Einzelfällen jedoch "umschifft" bzw. unterdrückt werden, so es möglich ist, die dystonieauslösende feinmotorische Bewegung therapeutisch begleitet neu zu erlernen bzw. alternativ anzubahnen.


Diese "bedingte Heilbarkeit" gilt jedoch grundsätzlich nicht für Personen, welche der Dystonie auslösenden Tätigkeit tagtäglich nachkommen (müssen), etwa Berufsmusikerinnen und -musiker oder Profisportlerinnen und -sportler. Zum einen kann die Therapie Jahre dauern, was mit der Ausübung ihres Beruf grundsätzlich nicht vereinbar ist. Zum anderen verfallen sie vielfach gewohnheitsgemäß und ungewollt wieder in ihre vormaligen Bewegungsmuster. Nicht zuletzt kann nicht ausgeschlossen werden, das ihr Gehirn aufgrund der genetischen Veranlagung derart "dystoniehungrig" ist, dass es nach einiger Zeit auch mit den neu erworbenen Bewegungsmustern wieder eine Dystonie entstehen lässt.

Fokale traumaspezifische Dystonie


Verletzungen an Gliedmaßen können eine fokale Dystonie auslösen. Entscheidend ist dabei nicht die Schwere des physischen Traumas, vielmehr ausschlaggebend ist die Beteiligung eines oder mehrerer peripherer Nerven durch Quetschung, Überdehnung, An- oder Abriss.


Fokale traumspezifische dystone Bewegungsstörungen äußern sich zunächst durch Zittern und Zucken, gehen später in Krampfgeschehen über und können in Fehlhaltungen und Fehlstellungen münden.

"Traumadystonien" gehen im Regelfall überdies mit neuropathischen Schmerzen einher.


Einige Betroffen entwickeln zusätzlich ein Komplexes Regionales Schmerzsyndrom (#Morbus Sudeck), dass dystone Symptome im wahrsten Wortsinn befeuert. Im schlimmsten Fall breiten diese sich gar auf weitere Körperteile aus. Betroffene Areale verfärben sich rötlich, mitunter bläulich, schwellen zunächst an und vermögen sich später zu verschmächtigen. Nicht selten geht all dies mit einem kompletten Funktionsverlust der betroffenen Körperglieder einher. In Einzelfällen vermögen lediglich Amputationen das Leid zu begrenzen.