Dystonie und ärztliche Manipulation

Hier erfährst Du etwas dazu, warum und weshalb Ärztinnen und Ärzte Dich bzw. Deine Symptome mitunter nicht für voll nehmen
#Medical Gaslighting #Bagatellisieren #Leugnen #Ignorieren #Gender bias #Frustration #psychische Störung #Diagnose- und Therapieverschleppung
Dystonie und ärztliche Ignoranz
#Medical Gaslighting der Begriff entstammt dem Theaterstück „Gas Light“ (1938) bzw. dessen Verfilmungen (1944), in dem ein Ehemann seine Frau durch Manipulation in den Wahnsinn getrieben hat.
#Gender bias (un)bewusste geschlechtsspezifische Vorurteile und stereotype Annahmen, die zu einer ungleichen Bewertung, Behandlung und
Wahrnehmung von Personen führen.
Zahlen/Daten/Fakten
Medical Gaslighting
Über 94% der Teilnehmenden einer Umfrage von HealthCentral (2023) berichteten, dass ihre Symptome von Ärztinnen und Ärzten ignoriert, abgetan oder geleugnet wurden.
In einer weiteren Studie gaben 88% der Befragten an, in der Vergangenheit medizinisch "gegaslightet" worden zu sein, wobei etwa die Hälfte dies häufig erlebt.
Besonders betroffen sind Frauen, Menschen mit chronischen (unsichtbaren) Erkrankungen, ältere Menschen sowie LGBTQIA+-Personen.
#Psychologisieren Sachverhalte oder Verhaltensweisen einseitig, oft oberflächlich oder übermäßig, aus psychologischer Sicht zu deuten,
zu interpretieren oder zu erklären.

Menschen, mit seltenen Erkrankung - insbesondere auch Dystoniebetroffene - kennen es nur zugut: Ärztinnen und Ärzte, die Beschwerden bagatellisieren, ignorieren oder gar leugnen. Der Fachbegriff für dieses Verhalten ist "Medical Gaslighting".
"Medical Gaslighting" beschreibt das
Ignorieren,
Herunterspielen,
Leugnen oder
Psychologisieren von
Krankheitssymptomen durch medizinisches Personal, was Patientinnen und Patienten zunächst irritiert, dann frustriert und wütend macht. Einige beginnen darüber hinaus, an ihrem Verstand zu zweifeln.
Betroffen sind eher Frauen als Männer, nicht selten werden sie als Hypochonderinnen abgestempelt, was zu massiven Verzögerungen bei Diagnosen und Behandlungen führt. Kurzum: Medical Gaslighting ist ein ernstes Gesundheitsrisiko. Zum einen trägt es dazu bei, dass sich Erkrankungen, da in der Folge unbehandelt, regelmäßig verschlimmern. Zum anderen bilden sich bei Betroffenen nicht selten psychische Störungen als erkrankungsunabhängige Begleiterscheinungen heraus.
Die Merkmale und Anzeichen von
"Medical Gaslighting" sind die Folgenden:
- Bagatellsierung
- Beschwerden werden als normal bzw. altersgemäß abgetan.
- Leugnung
- Beschwerden und Befunde werden absichtlich ignoriert.
- Psychologisierung
- Beschwerden werden als stressbedingt abgestempelt.
Die Ursachen von
"Medical Gaslighting" sind vielfältig.
Sie können in der Persönlichkeit von Ärztinnen und Ärzte, in deren Ausbildung bzw. Studium und Bereitschaft zur Weiterbildung sowie beruflichen Erfahrung, in der Struktur des Gesundheitssystems und ökonomischen Aspekten begründet liegen. Mischursächlichkeiten sind wahrscheinlich.
So ist ein Teil der Ärztinnen und Ärzteschaft etwa Stereotypen und Vorurteilen verfallen. Hierzu zählt unter anderem die Annahmen, dass "Frauen das schwächere Geschlecht seien", "Frauen zu Hysterie und Einbildung neigen". Vergleichbares gilt für nonbinäre und queere Menschen. Männer sind vergleichsweise selten von dem sogenannten Phänomen des "Gender bias" betroffen.
Hinzu kommt, dass Ärztinnen und Ärzte nach dem Grundsatz "Seltenes ist selten und häufiges ist häufig." arbeiten. Dies ist vom Grunde her zunächst einmal durchaus vernünftig und zweckmäßig. Doch, wenn Symptome anhalten, wird diese Arbeitsweise kontraproduktiv. Dies vor allem dann, wenn aufgrund ärztlicher Hemdsärmeligkeit oder Hilflosigkeit eine unzutreffende "Standarddiagnose" gestellt oder Beschwerden auf die Psyche geschoben werden.
Ebenfalls beachtlich ist, dass zahlreiche Ärztinnen und Ärzte - ihrer Ausbildung, ihren Erfahrungen oder der Abrechnungspraxis geschuldet - durchaus auch "Lieblingsdiagnosen" haben. Diese werden nicht selten reflexhaft zunächst einmal dann gestellt, wenn Professionalität suggeriert werden soll, es schnell gehen muss oder vertraute Abrechnungsziffern zu bedient werden sollen.
Mit Blick auf Dystonie kommt hinzu, dass diese im vergangenen Jahrhundert als "psychisch verursacht" galt und entsprechende gelehrt wurde. Überdies lassen sich dystone Bewegungsstörungen weder im Blut noch einfach bildgebend nachweisen.
Strukturelles Problem im Gesundheitswesen kommen hinzu. So spielen
Kinder-und Frauengesundheit in der
Forschung sowie Aus- und Weiterbildung
in der Medizin auch heute noch eine eher
nachrangig Rolle, dies obgleich allgemein bekannt ist, dass zum Beispiel der Stoffwechsel von Kindern und Frauen von dem der
Männer, die den Standard begründen, abweicht. Dies ebenfalls sowohl für Symptome als auch Therapien bestimmter Erkrankungen.
Was tun, wenn guter Rat teuer ist?
Bei Ärztinnen und Ärzten handelt es sich um einen hochspezialisierten und grundsätzlich sehr geschätzten Berufsstand. Letzteres durchaus - im Querschnitt betrachtet - meines Erachtens zu Recht!
Niemand, auch nicht (Fach)Ärztinnen und Ärzte, können alles wissen. Doch wer mag schon, gleich ob Arzt oder Ärztin, Unsicherheit und Unwissen zugeben? Die eine mehr, der andere weniger.
Also, bereite Dich zunächst einmal gut auf Deinen Arztbesuch vor. Schreibe Dir auf, welche Beschwerden Du hast, wann sie erstmalig in Erscheinung getreten sind und sodann im Tagesverlauf bzw. besonderen Situationen auftreten. Wichtig ebenfalls: Führe Deinen Medikamentenplan mit, falls Du, aus welchem Grund auch immer, Medikamente nimmst. Sollten Deine Beschwerden bereits bei Familienangehörigen, gleich welcher Generation, ebenfalls aufgetreten sein, wäre es hilfreich, auch dies zu schildern. Bist DU gut vorbereitet, hilft dies dem Arzt der Ärztin sehr!
Gib dem Arzt bzw. der Ärztin eine "echte Chance" und konfrontiere sie bitte nicht mit "Verdachtsdiagnosen" aus dem Internet oder den Sozialen Medien. Dies trübt zum einen, durch Dich, die ärztlich zunächst ungetrübte Diagnosebrille. Zum anderen, und das kann ich gut verstehen, fühlen sie sich unter Umständen übervorteilt und in ihrem Beruf bzw. ihrer Professionalität gleichsam nicht ernstgenommen.
Fühlst Du sodann, dass Du nicht ernst genommen wirst, sprich dies höflich z.B. wie folgt an: "Herr/Frau Dr. ..., bitte entschuldigen Sie, ich habe das Gefühl, dass Sie die von mir geschilderten Beschwerden nicht so recht verstehen bzw. ernst nehmen.". Hiermit signalisierst Du dem Arzt bzw. der Ärztin, dass er bzw. sie sich professionell mit Dir befassen möge. Sollte er oder sie auf Deinen Einwand unhöflich oder gar beleidigt reagieren, empfiehlt sich ein Wechsel des Arztes bzw. der Ärztin. Dies wohl wissend, wie schwer es ist, überhaupt (Fach)Arztermine zu ergattern.
Schließlich kann es, so oder so, sinnvoll sein, wenn Du Dich zu einem Arzttermin begleiten lässt. Nicht selten sind Patientinnen und Patienten mit der "medizinischen Informationsflut" überfordert, was dazu führt, dass sie nicht alles hören oder verstehen. Oder: Vier Ohren hören mehr als zwei (...).
