Ursprungsursachen

#Pathogenese beschreibt die Entstehung und Entwicklung einer Erkrankung.

#Genetik ist die Lehre der Vererbung.

#Epigentik ist die Lehre der Veränderung der Funktionsweise von Genen.
Was die Ätiologie, also die "Ursprungsursachen" dystoner Bewegungsstörungen anbelangt, sind derzeit vier Kernauslöser bekannt:
Degenerative Dystonien
Unheilbar, da Hirnschädigung.
20-30%
- Monogenetische Vererbung
Die DNA eines Menschen, also seine Erbinformation, ist dystoniespezifisch verändert.
- Epigenetische Veranlagung
Äußere Einflüsse, z.B. Infektionen, seelischer Extremstress, feinmotorische Überlastung, führen bei manchen Menschen zu dystonieauslösenden Veränderungen im Erbgut Rahmen der Zellerneuerungen.
Strukturelle Dystonien
Unheilbar, da Schädigung des Nervensystems.
10-20%
- Strukturelle Nervenschäden
Verletzungen im zentralen und/oder peripheren Nervensystem in deren Folge "fehlerhafte kompensatorische Umleitungen von Signalen" entstehen.
Funktionelle Dystonien
Heilbar, da keine Schädigung des Nervensystems.
10-15%
- Reversible Funktionsstörung der Bewegungssteuerung, begünstigt durch Stress, Aufmerksamkeit, Lernmechanismen und veränderte Körperwahrnehmung.
Hinzu kommen mit 40-60% die
ideopathischen Dystonien, über deren Ursprungsursache aktuell noch keine belastbaren Erkenntnisse vorliegen; Epigenetik wird jedoch angenommen.
Mögliche Pathomechanismen

#Langzeitpotenzierung Fähigkeit von Synapsen (Spalte zwischen Nervenzellen) die Stärke ihrer Signalübertragung dauerhaft zu erhöhen.

#Langzeitdepression Fähigkeit von Synapsen (Spalte zwischen Nervenzellen) die Stärke ihrer Signalübertragung dauerhaft verringern.

Was die eigentlichen Wirkmechanismen anbelangt, also die molekularen, zellulären und organischen Vorgänge, ist bekannt, dass die Basalganglien (Gruppe subkortikaler Nervenkerne im Tiefen Hirn), dort wo Bewegung sozusagen hirnorganisch geplant, moduliert und angebahnt werden, vor allem bei den genetisch bedingten dystonen Bewegungsstörungen, eine zentrale Rolle spielen. Bei ihnen ist die Balance zwischen hemmenden und erregenden Signalen innerhalb dortiger neuronaler Netzwerke erkrankungstypisch gestört.
Bei gesunden Menschen sorgen inhibitorische also hemmende GABAerge Neurone dafür, dass unerwünschte Bewegungen unterdrückt werden. Neurozelluläre Untersuchungen bei Dystoniebetroffenen zeigen indes eine verminderte hemmende Aktivität, wodurch es bei ihnen zu einer Übererregbarkeit motorischer Schaltkreise kommt.
Ein weiterer wichtiger Mechanismus ist die gestörte synaptische Plastizität. Auf zellulärer Ebene zeigen neuronale Netzwerke von Dystoniebetroffenen zum einen eine abnorme Langzeitpotenzierung (LTP) und Langzeitdepression (LTD). Diese Prozesse sind entscheidend für das motorische Lernen. Eine fehlregulierte Plastizität führt dazu, dass fehlerhafte Bewegungsmuster stabilisiert statt korrigiert werden.
Schließlich tragen Dysfunktionen dopaminerger Signalwege zur Entstehung bestimmter dystoner Bewegungsstörungen bei. Dopamin moduliert die Aktivität der Basalganglien auf synaptischer Ebene. Veränderungen in der Dopaminfreisetzung oder in der Sensitivität postsynaptischer Dopaminrezeptoren können das Gleichgewicht zwischen direktem und indirektem Bewegungsweg verschieben, was zu unkontrollierten Muskelaktivierungen führt.
