Dystonie Allgemeine Informationen

Hier erfährst Du etwas zur Auswirkung von Kälte auf dystone Bewegungsstörungen
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Dystonie im Winter

#Kälte (meteorologisch) unter
- -10 °C oft bereits als sehr kalt empfunden
- -20 °C häufig als Extremkälte bezeichnet
- -30 °C klare Extremkälte

#Pharmakokinetik beschreibt, was der Körper mit einem Medikament macht; Aufnahme (Absorption), Verteilung (Distribution), Verstoffwechselung (Metabolismus) und Ausscheidung (Elimination).

Die Reaktionen auf (extreme) Kälte sind bei Dystoniebetroffenen - insbesondere beim Aufenthalt im Freien - etwa bei starkem Frost, langanhaltenden Schneefällen oder eisigem Wind, durchaus unterschiedlich, dennoch vergleichbar.
Zunächst einmal ist Kälte eine Umweltreiz, auch sensorischer Trigger genannt, der dystone Symptome auszulösen oder zu verstärken vermag. Zum einen unmittelbar über freiliegende Hautpartien, z.B. Gesicht und Hände, aber auch unzureichend bekleidete Körperpartien. Zum anderen über die Atmung, dies mit Blick auf den Nasen-, Mund- und Rachenraum sowie die kalte Luft in der Lunge. Wie auch immer, diese Folgen erscheinen recht gängig:
1. Leitsymptome (Motorik)
- Erhöhung der Muskelanspannung im Allgemeinen sowie Steifigkeit im Besonderen
- Verstärkung des dystonen Zitterns sowie dystoner Muskelkontraktionen
- Intensivierung von Fehlbewegungen und Fehlhaltungen
2. Begleitsymptome (Nicht-Motorik)
- Sensibilitätsstörungen und Schmerzen
- Funktionelle Beeinträchtigung der Atmung
- Zunahme von Schluck- und Sprechstörungen
- Funktionelle Beeinträchtigung der Sehfähigkeit
3. Medikamentenbezogene Aspekte
Kälte kann sich zudem auf das Verstoffwechseln bzw. die Wirkung und Nebenwirkungen von Medikamenten wie folgt auswirken:
Veränderte Wirkung
- Verzögerung der Wirkstoffaufnahme und damit verzögerte Wirkung
- Schnellerer Abbau der Wirkstoffe durch den kältebedingt beschleunigen Stoffwechsel
- Vermeintlich geringere Wirkung von Botolinumneurotoxinen, aufgrund erhöhter Muskelspannung
Verstärkte Nebenwirkungen
- Benommenheit oder Muskelschwäche
- Stärkere Austrocknung der Schleimhäute und Augen ob der Einnahme von Anticholinergika
Medikamente bitte
nicht eigenmächtig umdosieren!
Bei "Winter- bzw. Kälteproblemen" bitte die etwaige Anpassung gegebenenfalls ärztlich vornehmen lassen.
4. Tiefe Hirnstimulation
Die Tiefe Hirnstimulation (THS), also Medizintechnik selbst, ist nicht direkt kälteempfindlich. Ihre Wirkung bleibt grundsätzlich erhalten. Kälte kann jedoch Symptome als solche verstärken, weshalb THS-Implantierte mitunter denken, dass ihre Wirkung nachließe. Dieses Empfinden dürfte tatsächlich jedoch an der kältebedingten Muskelaktivierung liegen.
5. Mobilitätshilfsmittel
Nicht zuletzt ist offensichtlich, dass Kälte, verbunden mit Eis und Schnee, die
Funktion und Nutzung
von
Mobilitätshilfsmitteln, wie Unterarmgehstützen, Rollatoren oder Rollstühle, stark beeinträchtigt. Zudem steigen die
Unfallgefahren auch in diesem Zusammenhang. Um so wichtiger ist es, dass Städte und Kommunen sowie Hauseigentümerinnen und -eigentümer ihrer
Räum- und Streupflicht sachgerecht nachkommen. Dies ebenfalls, damit ambulante Pflegedienste gefahrfrei auch dystoniebezogen Schwerstbetroffene versorgen können.
