Die Muskulatur des Beckenbodens zählt zur Skelett- bzw. Bewegungsmuskulatur und kann demgemäß auch von Dystonie betroffen sein. Bei einer Beckenbodendystonie handelt es sich demgemäß auch um eine neurologische Bewegungsstörung. Diese kann Bestandteil einer isolierten Dystonie (Dystonie als eigene Erkrankung) oder einer kombinierten Dystonie (Symptom einer anderen Erkrankung) sein, z.B. Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson. Ist die Beckenbodendystonie Bestandteil einer isolierten Dystonie, vermag sie allein, also fokal, segmental oder im Rahmen einer generalisierten Dystonie aufzutreten.


Eine Beckenbodendystonie führt zu unwillkürlichen Verkrampfungen und einer dauerhaft erhöhten Grundspannung der Beckenbodenmuskulatur. Dies kann Schmerzen verursachen sowie zu Problemen bei der Stuhlentleerung, beim Wasserlassen und bei der Sexualität führen. Nicht selten sind Betroffene insbesondere einer generalisierten Dystonie betroffen. Blasenentleerungsstörungen sind die häufigste Folge, Darmentleerungsstörungen eher selten. Entweder kommt es zu unkontrollierten Urin- und/oder Stuhlabgängen oder sowohl als auch ist in keiner Weise gesteuert, also willentlich möglich.


Blasenentleerungsstörungen wird entweder vermittels intermittierende Selbstkatheterismus (ISK) oder subrapubischem Blasenkatheter (SBK) begegnet.


  • Beim ISK handelt es sich um eine Methode, bei der Betroffene eigenständig einen dünnen, sterilen Einmalkatheter in die Harnröhre einführen, um die Blase zu entleeren. Dieser wird im Anschluss entsorgt.


  • Beim SPB (auch Bauchdeckenkatheter oder Zystofix genannt) handelt es sich um eine Methode, bei welcher der Urin Betroffener oberhalb des Schambeins vermittels eines dauerhaft gelegten Katheters über einen dünnen Schlauch in einen Beutel abgeführt wird. Er muss alle vier bis zwölf Wochen gewechselt werden.


Darmentleerungsstörungen kann, wenn Ernährungsumstellung, Abführmittel und Bauchmassagen wirkungslos bleiben, bei unzureichender fehlender Entleerung wie folgt begegnet werden:


  • Einlauf und Klistier: Kleine Quetschbeutel (Mikroklistiere) oder Spülbehälter (Irrigatoren), vermittels derer Wasser oder spezielle Ölgemische direkt in den Enddarm eingeführt werden.


  • Abführzäpfchen: Zäpfchen (z.B. mit Glycerin), das in den Enddarm eingeführt wird, wo es den Stuhldrang mechanisch anregt und die Entleerung erleichtert.


  • Colon-Hydro-Therapie: Professionelle Behandlung in einer Praxis oder von einem Pflegedienst, bei welcher der Dickdarm unter kontrolliertem Druck mit warmem Wasser gespült wird.


Bei unkontrollierten Stuhlabgängen vermögen Analtampons Abhilfe zu schaffen. Eine vorsorgliche Darmentleerung vermittels Irrigation kann ebenfalls geeignet sein.


Alternative Behandlungsansätze sollten ebenfalls in Erwägung gezogen und ausprobiert werden. Zu diesen zählen die Folgenden:


  • Spezialisierte Physiotherapie: Erlernen von Entspannungstechniken (Biofeedback), Dehnübungen und die Regulierung der Beckenbodenrhythmik.


  • Biofeedback-Therapie: Die gängigste und effektivste Methode, bei der die Muskelaktivität optisch oder akustisch sichtbar gemacht wird, um das bewusste Loslassen zu trainieren.


  • Medikamente und Neurologische Verfahren: In bestimmten Fällen werden muskelentspannende Medikamente, Schmerztherapien oder lokale Behandlungen eingesetzt.


So oder so: Sollten Sie bzw. solltest Du von einer Beckenbodendystonie betroffen sein, wende Dich rasch an Deinen Neurologen bzw. Deine Neurologin, um mit dieser Fachärztlichkeit zunächst den Ursachen auf den Grund zu gehen, um diesen sodann effektiv zu begegnen.


Schäme Dich nicht, wohl wissend, das dies leichter geschrieben als getan ist. Und: Lasse Dich nicht "gaslighten". Medizinisches Gaslighting beschreibt Situationen, in denen medizinisches Personal die Symptome von Patientinnen und Patienten abwertet, abtut oder vorschnell als reine Einbildung bzw. Stress abtuen.