Neues aus der Dystonieforschung:

Adaptive Tiefe Hirnstimulation (aTHS)

Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse um die Ursachen der hirnorganischen Fehlfunktionen dystoniebetroffener Personen ermöglichen eine weitere Verbesserung ihrer Therapie vermittels Tiefer Hirnstimulation. So fanden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Charité in Berlin jüngst heraus, dass die Kommunikation zwischen den Hirnkernen der motorischer Schleife in den Basalganglien (Striatum und innerem wie äußerem Pallidum) stark erhöhte Aktivität im niederfrequenten Bereich (3-12 Hz) aufweisen. Je aktiver die dortige mikroelektrische Kommunikation, desto schwerer die dystonen Symptome.


Auf dieser Erkenntnis aufbauend versuchen Medizintechnikerinnen und -techniker nunmehr die Hirnschrittmacher auf eine Weise weiterzuentwickeln, die zur Folge hat, dass die im Tiefen Hirn implantierten Elektroden zusätzlich bzw. zunächst als Sensor fungieren, welche die mikroelektrischen Aktivitäten fortgesetzt messen und sodann, darauf aufbauen, passende mikroelektrisch hemmende Impulse absetzen. Kurzum: Während herkömmliche Systeme kontinuierlich Impulse abgeben, passen intelligente, adaptive Systeme (aTHS) die Stimulation in Echtzeit an die tatsächlich gemessene Hirnaktivität an ("closed loop").


Je passender die mikroelektrischen Impulse, desto besser die Wirkung einer Tiefen Hirnstimulation. Dies gilt vor allem für eine Reduktion der Nebenwirkungen in Form verlangsamter Bewegungen im Allgemeinen und Sprechstörungen im Besonderen. Ziel sind adaptive – also anpassungsfähige – bedarfsgesteuerte Hirnschrittmacher, die Schwankungen der elektrischen Aktivitäten in der motorischen Schleife, aufgrund von Stress aller Art (z.B. Anstrengung, Nervosität, Infekten etc.), sozusagen automatisch auszugleichen vermögen.